Algeriens Belaili und Bounedjah: Plötzlich im internationalen Rampenlicht



Algerien ist beim Afrika-Cup bislang die alles überragende Mannschaft. Die Wüstenfüchse marschieren von Sieg zu Sieg, haben noch kein Gegentor kassiert und stellen mit neun eigenen Treffern die beste Offensive. Das liegt mitunter an Linksaußen Youcef Belaili und Mittelstürmer Baghdad Bounedjah, die beide ein überragendes Turnier spielen. In der arabischen Welt kennt man beide schon länger, in Europa sind sie hingegen Unbekannte. Belaili (27) verbrachte lediglich wenige Monate als Fußballprofi in Europa, bei Angers, wo er nur auf einen Einsatz kam. Bounedjah (27) hat noch nie in einer europäischen Liga gespielt. So wunderten sich zu Beginn des Turniers viele, warum die beiden und nicht die deutlich bekannteren Islam Slimani, Algeriens WM-Held von 2014, und Portos Yacine Brahimi in der Startelf stehen. Die letzten zwei Wochen haben gezeigt, warum Coach Djamel Belmadi die No-Name-Variante im Angriff bevorzugt.
Der flinke und technisch starke Belaili, der in Tunesien beim amtierenden Champion der afrikanischen Champions League Esperance Tunis unter Vertrag steht, hat bereits zwei Turniertreffer erzielt, den Siegtreffer in der Vorrunde gegen Senegal und das wichtige 1:0 im Achtelfinale gegen Guinea, präsentiert sich enorm spielfreudig. Und Bounedjah, der beim katarischen Klub Al-Sadd in der abgelaufenen Saison in 26 Partien unglaubliche 39-mal traf und vor Citys Ryad Mahrez sogar zu Algeriens Fußballer des Jahres 2018 gewählt wurde, markierte das 1:0 im ersten Spiel gegen Kenia per Elfmeter und bereitete den Treffer von Belaili gegen Guinea mit der Hacke genial vor. Darüber hinaus legt der wuchtige Angreifer ein enormes Arbeitspensum zu Tage, ackert und läuft, macht vorne die Bälle fest und setzt seine Mitspieler als Wandspieler immer wieder gekonnt ein. Bounedjah und Belaili sind ohne Zweifel die große Entdeckung des diesjährigen Afrika-Cups und dürften jetzt in den Fokus zahlreiches europäischer Klubs gerückt sein. Da beide „bereits“ 27 Jahre alt sind, ist es für sie diesen Sommer wohl aber die einmalige Chance, in eine europäische Topliga zu wechseln, um die eigene Karriere zu krönen und sich mit den Besten der Welt zu messen.
Allerdings könnte die Krönung der eigenen Karriere in einer europäischen Topliga für Bounedjah und Belaili nur ein zweitrangiger Aspekt sein. Viele Fußballer aus Nordafrika haben das Potenzial in Europa zu spielen, gehen aber lieber wie Bounedjah in die Golfstaaten. Denn dort bekommen sie das vielfache des Gehalts, welches sie in Europa bekommen würden. Ein weiteres Beispiel dafür ist Tunesiens Linksaußen Youssef Msakni, der 2013 mehrere Angebote aus der Premier League vorliegen hatte, schlussendlich aber nach Katar ging und dort sechs Jahre verbrachte. Dabei geht es gleichwohl nicht um Geldgier, sondern darum, das Leben der eigenen Familie – und zu dieser zählen in Afrika deutlich mehr Personen als in Europa – für die Zukunft abzusichern. Denn die wirtschaftliche Lage ist in vielen nordafrikanischen Ländern nicht gut. Viele Familien leben von der Hand in den Mund, haben große Zukunftsängste. Bei Wechseln in die Golfstaaten oder nach China wird in Europa oft zu schnell geurteilt, ohne die Lebensumstände der Menschen zu kennen.


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