Eingewechselter Keeper Ben Mustapha bringt Tunesien ins Viertelfinale


In der 120. Minute des Achtelfinals zwischen Ghana und Tunesien wehte plötzlich ein Hauch von FC Chelsea durch das Ismailia Stadium. Jeder Fußballfan erinnert sich an das diesjährige Carabao-Cup-Finale, in dem Chelseas Keeper Kepa Arrizabalaga kurz vor dem Elfmeterschießen gegen Manchester City seine Auswechslung verweigerte und seinen Trainer Maurizio Sarri damit bloßstellte. Ähnliches schien sich nun auch beim Afrika-Cup zu wiederholen. Tunesiens Keeper Mouez Hassen sollte das Spielfeld in der 120. Minute beim Stande von 1:1 räumen und seinem Kollegen Ben Mustapha für das Elfmeterschießen Platz im Tor machen. Doch Hassen war mit der Entscheidung seines Trainers Alain Giresse ganz und gar nicht einverstanden, gestikulierte wild und stieß ein paar deftige Flüche aus. Erst als seine Teamkollegen auf ihn einredeten, ging er geknickt vom Rasen. Wenige Minuten später hatte sich Hassen beruhigt und applaudierte seinem Torwartkollegen. Denn der Schachzug von Giresse war voll aufgegangen. Ben Mustapha, der als Nummer 1 ins Turnier startete, dann aber im ersten Spiel gegen Angola patzte und auf die Bank degradiert wurde, parierte den dritten ghanaischen Elfmeter von Ekuban. Das reichte für das Weiterkommen, denn alle fünf tunesischen Schützen erwiesen sich als absolut nervenstark und trafen sicher.
Die Nordafrikaner hatten das Glück am heutigen Abend zweifellos auf ihrer Seite. Ghana war lange Zeit das bessere Team. In der 16. Minute traf Hoffenheims Adams den Pfosten des tunesischen Tores. In der 36. Minute wurde den Black Stars ein Tor von Andrew Ayew nach einem vermeintlichen Handspiel von Atleticos Thomas Partey aberkannt. Um ein Handspiel handelte es sich nicht, dennoch war der Treffer zurecht nicht gegeben worden, denn Partey stand bevor er den Ball im Srafraum bekam hauchzart im Abseits. Tunesien präsentierte sich zunächst wie schon in den Vorrundenpartien enorm blass. Erst als in der 68. Minute der angeschlagene Hoffnungsträger Wahbi Khazri das Feld betrat, schaffte es Tunesien wieder Gefahr zu kreieren und kam wenig später (74. Minute) zum überraschenden Führungstreffer. Khazri setzte Kechrida auf der rechten Außenbahn gekonnt mit der Hacke ein. Der Rechtsverteidiger fand in der Mitte Stürmer Khenissi, der den Ball per Direktabnahme im Netz unterbrachte und das Spiel auf dem Kopf stellte. Ghana versuchte in der Endphase noch einmal alles, kam aber nicht mehr zu wirklich guten Chancen. Als alles nach einem tunesischen Weiterkommen aussah, glichen die Black Stars dann aber doch noch aus. Und das auf äußerst kuriose Weise. Eine Freistoßflanke von Mubarak Wakaso lenkte Tunesiens Bedoui, nur eine Minute zuvor zur Sicherung der Führung eingewechselt, per Bogenlampe unglücklich ins eigene Tor. In der Verlängerung hatte in der 115. Minute Ghanas Jordan Ayew frei vor dem Tor die Riesenchance seine Mannschaft in Führung zu bringen, setzte den Ball aber ans Außennetz. Dann kam die besagte 120. Minute und Ben Mustapha betrat das Feld.
Tunesien steht somit ohne einen einzigen Sieg in neunzig Minuten eingefahren zu haben, im Viertelfinale. Die Nordafrikaner erinnern mehr und mehr an Portugal bei der EM 2016, das bis zum Halbfinale in der regulären Spielzeit nie siegen konnte und am Ende den Titel holte. Im Viertelfinale trifft Tunesien auf Überraschungsteam Madagaskar. Ghana steht hingegen vor einem großen Neustart. Die Zeit der Generation von Asamoah Gyan und den Ayew-Brüdern scheint endgültig vorbei zu sein. Die Black Stars müssen sich neu aufstellen.

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